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Kein geeignetes Objekt. Nirgends?

Es bestehen durchaus Wohnwünsche für das höhere Alter 80+ abseits der Doktrin. „So lange wie möglich zuhause bleiben“, was beispielsweise der „Wegweiser für das Wohnen im Alter“ vom bmfsfj propagiert, gilt nicht für alle. Deswegen hat DNA – Die Neuen Alten im September 2023 die Nachbarnetze im Rahmen eines Online-Fragebogens nach Wohnwünschen für das höhere Alter gefragt. Neben den gewohnten Wohnformen: „Senioren- oder Pflegeheim“, „häuslicher Pflegedienst“ und „24-Stunden-Betreuung“ standen dabei auch zur Auswahl: „Cluster-Wohnen“, „Pflege-WG“, „Wohnen für Hilfe“ und „Mehrgenerationen-Wohnen“.

In den Antworten lassen sich ganz deutlich zwei Gruppen von Antworten unterscheiden. Wer innerhalb der ersten 48 Stunden geantwortet hat, gehört zur Gruppe derer, bei denen die Endstation „Wohnen im Heim“ und alleine zu Hause mit der „24-Stunden-Betreuung“ größte Ablehnung erfuhr. Kein Wunder, denn diese Gruppe wünscht sich mit großer Mehrheit das Wohnen im Cluster oder inmitten mehrerer Generationen. Die andere Gruppe hatte erst nach Tagen auf den Aufruf reagiert und wünscht sich das Wohnen im Heim, alleine zu Hause mit der 24-Stunden-Betreuung oder dem Pflegedienst.

Ich und die anderen“ oder „Ich ohne Du“?

Entsprechend der Gruppenzugehörigkeit schwanken auch die Empfindungen, denn wie nicht nur Wittgenstein wusste: „die Welt des Unglücklichen ist eine andere als die des Glücklichen.“ So kennzeichnet bedauerlicherweise die 2. Gruppe (Ich ohne Du) folgende Empfindungen:

  • Angst alleine zu sein
  • Ratlosigkeit, Unsicherheit, Unwille, Ärger
  • Angst vor Armut im Alter

Ganz anders die Gruppe „Ich und die anderen“. Sie ist durch folgende Empfindungen getragen:

  • Hoffnung und Zuversicht
  • Geborgenheit
  • Optimismus
  • sicherem Zutrauen in die Barmherzigkeit vom lieben Gott
  • einem weisen, fröhlichen – humorvollen – kreativen Geist
  • Herz voller Liebe und Dankbarkeit in allen Ebenen der Begegnung und des Wirkens

Kein Wunder auch, dass das gewünschte Sterbealter der Gruppe „Ich ohne Du“ nur zwischen 80 und 90 Jahren liegt. Die Gruppe „Ich und die anderen“ hingegen möchte zwischen zwischen 83 und 115 Jahre, also im Durchschnitt 5,5 Jahre älter werden als „Ich ohne Du“, der nur so lange wie möglich alleine zu Hause lebt.

Realisierungschancen?

Wie steht es nun um die Realisierungschancen der eingangs geäußerten Wohnwünsche? Nach Einschätzung der Befragten aus der Gruppe „ich und die anderen“ schlecht. Denn beide Gruppen werden sich mit großer Wahrscheinlichkeit alleine zu Hause wiedergefunden haben. Und zwar ganz nach dem staatlich propagierten Modell zusammen „mit einer jüngeren Hilfe“ oder „mit Pflegedienstbesuchen“. Diese kognitiven Dissonanzen werden durch die vielleicht trotzige Aufrechterhaltung des Traums vom Mehrgenerationenprojekt konterkariert und durch den allen Befragten gemeinsamen utopischen Fluchtpunkt: Cluster-Wohnen

Wie genau soll das anvisierte Mehrgenerationenprojekt aussehen?

Wenn das Heim und alleine zu Hause zumindest im Tagtraum eine starke Ablehnung erfährt, soll dann das gemeinsame Wohnen genauso turbulent wie in dem Film „Und wenn wir alle zusammenziehen?“ sein? Nein, wie im Film ist das höhere Alter höchst selten. Statt dessen soll es durch demokratisch – deliberative Strukturen in geordnete Bahnen gelenkt sein. Eine koordinierende Pflegekraft und materielle Ausstattung (Räume mit Möglichkeiten zum Kochen und Aufenthalt) sollen das würdevolle und gelingende Älterwerden voran bringen. Alltägliche Meditation und Reflexionen sowie die Nähe zur Natur und gegenseitigen Weiterbildungen beschreiben desweiteren den gemeinsamen Ideenhimmel – gut ausbalanciert zwischen einem selbstständigen Ich, das seine Bedürftigkeit bewusst erlebt, seine Grenzen erkennen und benennen kann auf der einen Seite. Auf der anderen Seite eine Gemeinschaft die bedarfsangepasste Alltagsunterstützung, Freizeitassistenz, Pflegedienst und Angehörige eint.

Risiken und Nebenwirkungen?

Vor aller Erfahrung lassen sich natürlich keine Fehler lesen. Dennoch sprechen aus den Interviews verschiedene Arten von Risiken. Als die drei vielleicht prominentesten springen ins Auge:

  1. Zynischer Individualismus, der in einer Einsiedelei und selbstgerechtem Rückzug ins Private endet.
  2. Führungspersönlichkeit ist nicht inklusiv genug und die Struktur wird ungleichgewichtig, dissonant, asymmetrisch…
  3. Konsumorientierte Menschen, die in eine alternative Wohnform einziehen und sich anschließend in ihr privates Schneckenhaus zurückziehen.

Bleit nur noch die Antwort auf die eingangs gestellten Frage: Gibt es wirklich keinen Ort dafür? Nirgends? Sachdienliche Hinweise nimmt DNA – Die Neuen Alten oder die Sozialgenossenschaft SAGES eG entgegen unter 0761 45891846 oder per Mail an info@sages-eg.de